Pressemitteilung: Betroffenenbefragung zur Eizellspende
95 Prozent würden Behandlung in Deutschland bevorzugen. Viele Familien erleben Widersprüche zwischen Alltag und aktueller Rechtslage.
Juni 2026. Eine Betroffenenbefragung des FE-Netz e.V. zeigt, wie belastend die Behandlung im Ausland für viele Familien ist und wie stark sich die aktuelle Rechtslage zur Eizellspende auf ihren Alltag auswirkt. An der Befragung nahmen 179 Menschen mit persönlichem Bezug zum Thema Eizellspende teil. Die Ergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem in Deutschland erneut über eine mögliche Legalisierung der Eizellspende diskutiert wird. Aus Sicht des FE-Netz e.V. zeigen die Antworten vor allem eines: Die Debatte betrifft längst nicht mehr nur medizinische Fragen, sondern Familien, die bereits heute mit den Folgen der aktuellen Rechtslage leben.
Alle Kinder, die in Deutschland nach einer Eizellspende geboren wurden, entstanden infolge einer Behandlung im Ausland. 95 Prozent der Befragten würden eine Möglichkeit in Deutschland bevorzugen, wenn Eizellspende hier unter klaren Regeln erlaubt wäre. Denn die größte Belastung liegt aus Sicht vieler Betroffener nicht in der Eizellspende selbst, sondern darin, dass die Behandlung aufgrund der aktuellen Rechtslage im Ausland stattfinden muss – mit zusätzlichem finanziellem, zeitlichem und emotionalem Aufwand.
Die Organisation der Behandlung empfinden 87 Prozent der Befragten zudem als Belastung. In den Freitextangaben nannten die Teilnehmenden dabei immer wieder ähnliche Herausforderungen: fehlende wohnortnahe ärztliche Unterstützung, mangelnde Koordination zwischen den behandelnden Ärzten, unterschiedliche Behandlungsstandards sowie zusätzlichen Abstimmungs- und Planungsaufwand während einer ohnehin belastenden Kinderwunschzeit. Viele berichten zudem von hohen Zusatzkosten, Unsicherheiten beim Ablauf sowie Sprachbarrieren.
Weit über die medizinische Behandlung hinaus wirkt die aktuelle Rechtslage: Viele berichten, dass ihre Familie nach Eizellspende gesellschaftlich längst Realität ist. Die Entstehung ihres Kindes steht jedoch im Widerspruch zum deutschen Recht. In einer Antwort heißt es: „Es ist ein unschönes Gefühl, den Kindern erklären zu müssen, dass ihre Entstehung in Deutschland als etwas Verbotenes angesehen wird.“
97 Prozent finden es nicht nachvollziehbar, dass Samenspende in Deutschland erlaubt, Eizellspende jedoch derzeit verboten ist.
Eine weitere Person schreibt: „Wir haben das Gefühl, dass wir etwas Illegales machen, weil wir damit ins Ausland müssen – man fühlt sich unverstanden und ausgeschlossen.“
Sylvia Giese-Kreutzer, Vorstand des FE-Netz e.V., sagt: „Die Befragung zeigt deutlich, wie Familien nach Eizellspende heute mit den Folgen der aktuellen Rechtslage im Alltag konfrontiert sind und wie groß der Abstand zwischen gelebter Familienrealität und rechtlicher Situation inzwischen geworden ist.“
Auch die Frage nach anonymer und offener Eizellspende zeigt, wie stark Auslandsbehandlungen spätere Familienfragen prägen können. Während Länder wie Dänemark und Österreich offene Formen der Eizellspende gesetzlich geregelt haben, ist die anonyme Spende in vielen europäischen Ländern, beispielsweise Spanien und Tschechien, weiterhin Normalität. Aus Sicht des FE-Netz e.V. entsteht dadurch ein Widerspruch: Das deutsche Verbot verhindert anonyme Eizellspenden nicht, sondern drängt viele betroffene Familien erst in Länder, in denen Anonymität gesetzlich vorgesehen ist.
Die Ergebnisse der Befragung spiegeln diesen Konflikt wider: 54 Prozent der Betroffenen entschieden sich für eine anonyme Eizellspende, 46 Prozent für eine offene Form. Auffällig ist dabei: Rund ein Drittel der Befragten mit anonymer Eizellspende gab an, damals zu wenig Informationen zu diesem Thema gehabt zu haben. Zudem blickt rund ein Viertel heute differenzierter auf die damalige Entscheidung. Für Familien mit älteren Kindern war die anonyme Eizellspende zum Zeitpunkt ihrer Behandlung häufig die einzige verfügbare Option.
Die Ergebnisse zeigen auch, dass das Thema viele Familien im Alltag begleitet: Rund 88 Prozent der Befragten wünschen sich Unterstützung dabei, später mit ihrem Kind über dessen Entstehungsgeschichte zu sprechen. In einer Antwort heißt es: „Die jetzige Gesetzeslage stigmatisiert uns und unsere Kinder. Das führt zu Geheimnissen und verhindert oft, dass Familien ihre Kinder aufklären.“ Der offene Umgang mit der Entstehungsgeschichte innerhalb der Familien gehört zu den zentralen Anliegen des FE-Netz e.V.
Der europäische Vergleich verstärkt die Diskussion zusätzlich. Deutschland gehört gemeinsam mit der Türkei zu den wenigen Ländern Europas, in denen Eizellspende derzeit verboten ist. In Dänemark, Frankreich, Spanien, Österreich und vielen weiteren europäischen Ländern ist sie seit Jahren gesetzlich geregelt. Für viele Betroffene entsteht daraus ein Widerspruch zwischen ihrem Familienalltag und der rechtlichen Situation im eigenen Land.
Über FE-Netz e.V. – Deutsche Vereinigung für Familien nach Eizellspende
Das FE-Netz e.V. setzt sich für Sichtbarkeit, Vernetzung und Unterstützung von Familien nach Eizell- und Embryonenspende ein. Der Verein fördert einen offenen Umgang mit der Entstehungsgeschichte und engagiert sich für die Legalisierung der Eizellspende in Deutschland. Derzeit bestehen Regionalgruppen in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Hannover, München, Münsterland, Nürnberg/Nordbayern, Ostwestfalen-Lippe/Südniedersachsen, Rheinland sowie im Großraum Stuttgart inklusive östlichem Hessen. Die Gruppen ermöglichen persönlichen Austausch und gegenseitige Unterstützung im Familienalltag.





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